Clubkonzerte sind besser als Massenabfertigungen
Das konzertreichste Wochenende seit Monden liegt hinter mir. Freitag Rammstein in der Arena Leipzig, Samstag Kraftklub im Werk 2 (in der mir bisher völlig unbekannten Halle D). Circa 11.000 Menschen bei Rammstein und vielleicht mal grad knapp über 100 Menschen bei Kraftklub – beide Konzerte ausverkauft, beide Konzerte grandios auf ihre Art und Weise – und trotzdem war Kraftklub sehr viel besser als Rammstein.
Klar, was Rammstein – im wahrsten Sinne des Wortes – für ein Feuerwerk hinlegt, ist atemberaubend. Meterhohe Feuerfontänen; Dinge die übers Publikum fliegen, in der Mitte der Halle drehen und wieder zurück zur Bühne fliegen, um dort wieder etwas zu zünden; und Lichteffekte bei denen einem die Worte fehlen um sie würdevoll zu beschreiben; ist so mit das abgefahrenste, was einem ein Konzert bieten kann. Und das in einer Perfektion, die ebenso unbeschreiblich ist. Alles sitzt. Nichts geht schief. Es wird eine Show geliefert, die allen Anwesenden ein Leuchten in die Augen zaubert, was sie vermutlich das letzte mal hatten, als sie als Kind freudestrahlend um den Weihnachtsbaum rannten. Und irgendwie liegt da für mich der Knackpunkt: die Perfektion. Keine Zwischenansagen, keine Kommunikation mit dem Publikum (mit einem Riesenpenis Schaum ins Publikum spritzen, zähle ich mal nur halb dazu), sondern ein Programm, was wie automatisiert abläuft. Und genau das war das Sympathische an Kraftklub.
Kleiner enger Club, vermutlich nicht mal hundert Menschen, vielleicht ein paar mehr und eine ebenso kleine Bühne auf die mal grad so alle Bandmitglieder passten. Ein Vorband bestehend aus 4 Schweden, die es sichtlich genossen endlich mal billiges Bier trinken zu dürfen und auch einen dem entsprechenden Pegel hatten. Und mit den ersten Takten von Kraftklub setzte sich dann der komplette Club in Bewegung und verschmolz zu einer homogenen Masse. Zwischen den Songs wurden blöde Sprüche geklopft, das Publikum per High-Five begrüßt, mit der Schweden-Vorband Blitzkrieg Bop von den Ramones gecovert. Schnaps aus einer Spritze im Publikum verteilt und irgendwann sprang der Sänger beherzt in die Menge für eine Runde Crowdsurfing. Es war einfach unglaublich familiär. Und das ist vermutlich das, was ich am meißten an Konzerten mag: kleine, enge, intime Konzerte mit einer Band / Act, die nicht 20 Meter von dir entfernt auf einer Bühne steht, sondern grad mal 3 Meter.
Denn genau das will ich, wenn ich zu einem Konzert gehe: die Band live erleben. So nah wie möglich. Und gerne darf auch mal ein Ton daneben gehen oder eine Textzeile vergessen werden. Es soll vorallem bloß nicht so klingen, als würde es direkt von Platte kommen. Denn genau das macht ein Konzert einzigartig und unvergesslich. Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass die »Show« gleich ist, egal an welchem Tag ich sie besuche. Ich möchte den Spaß der Band sehen, wie sie breitgrinsend ins Publikum blicken und es kaum fassen können, dass all die Verrückten vor der Bühne nur für sie da sind.


Ich würde Rammstein auch gerne mal live sehen, hab’s aber dieses Jahr schon wieder verpasst. :/
Lohnt sich auf jeden Fall. Anfang nächsten Jahres sind sie übrigens schon wieder auf Tour.
Hi Lars,
da sprichst Du mir aus der Seele, die kleineren familiären Konzerte liegen mir auch wesentlich besser. Zumal man da auch nicht fast totgetreten wird.
Gruss Daniel
[...] Weiterhin fotografierte ich endlich mehr. Ich rannte drei Tage auf dem Splash! (1/2/3) rum und entdeckte meine neue Leidenschaft für Konzertfotografie. Daher fotografierte ich dann gleich noch im November LaBrassBanda. Außerdem drehte ich noch mit dem MDR. Und gab mein erstes Interview. Und ging auf ein Konzert von Rammstein und von Kraftklub. [...]